Talentetausch Kärnten

Peter Zipser, ehem. Leiter des ARCHE NOAH –Vermehrungsgartens, der schon vor Jahren mit seinem Team begann, das alte Wissen über Saatgutvermehrung neu zu vermitteln, schreibt im Vorwort zum Skriptum „Gemüse-Saatgutvermehrung im Hausgarten“:

„Die Entwicklung und Vermehrung von Kulturpflanzen war von Anbeginn züchterische Arbeit mit dem Ziel, solche Pflanzen zu kultivieren, die am gegebenen Standort unter spezifischen klimatischen Verhältnissen und Bodenbedingungen optimale Ergebnisse zur Befriedigung der eigenen Nutzungsbedürfnisse erbrachten.
Ziel der bäuerlichen Pflanzenzüchtung war nicht so sehr die Erreichung von Höchsterträgen, sondern es ging vielmehr um Ertragssicherheit, um gute Nutzbarkeit und hohe Qualität (….)
Im Gegensatz dazu heißen die vorrangigen Ziele der modernen Sortenzüchtung: Höchstertrag, Transportfestigkeit, Lagerfähigkeit, Gleichförmigkeit im Aussehen, einheitlicher Reifezeitpunkt, Resistenz gegen spezifische Krankheiten, Herbizide und Pestizide.
Untergeordnete Bedeutung haben hingegen so wichtige Kriterien wie guter Geschmack oder gesundheitlicher Wert!
Außerdem soll der private Nachbau von Sorten durch Hybridzüchtungen oder biotechnologische Methoden verunmöglicht werden, ein nicht unbedenklicher Schritt für die Selbstversorgung!
Durch Patentrechte, Sortenschutz, nationale und EU-Sortenlisten sowie der einseitigen Förderung einer industrialisierten Landwirtschaft und  Nahrungsmittelproduktion wurde schon abertausenden, traditionsreichen, lokalen und regionalen Sorten der Garaus gemacht. Unzählige regional angepasste Sorten wurden aus dem Verkehr gezogen und damit wurde es GärtnerInnen und LandwirtInnen verunmöglicht, weiterhin an für sie attraktiven Sorten und deren Weiterentwicklung zu arbeiten. Die noch in der Hand von GärtnerInnen und BäuerInnen befindlichen Sorten können aufgrund der gesetzlichen Lage nicht mehr ohne weiteres in den Handel gebracht werden. So hat man das kreative Potential vieler erfahrener Menschen beschnitten!
Aber auch viele potentielle Kulturpflanzen werden weiterhin Wildpflanzen bleiben und wir werden ihre Besonderheiten niemals kennenlernen.
Hand in Hand mit diesem dramatischen Schwinden unserer Arten- und Sortenvielfalt kam es auch zu einer raschen Verarmung unserer regionalen/lokalen Esskultur.
Daher ist jeder noch so kleine Beitrag zur Erhaltung der noch vorhandenen Vielfalt und zur Entwicklung einer neuen Vielfalt in unseren Gärten und auf unseren Äckern
von unschätzbarem Wert für uns selbst und unsere Nachwelt.“

„Es geht um die Frage, wie wir wieder abhängiger voneinander werden können, um unabhängiger vom Ganzen zu sein".

Marianne Gronemeyer

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