- Umweltzerstörung?
- Kriegen?
- Ausbeutung der dritten Welt?
- Zunehmender Leistungsdruck?
- Gewalt?
- Wohnungsnot?
- Arbeitslosigkeit?
- Wirtschaftskrisen?
Unsere Welt hat Geldprobleme
Der Zins regiert die Welt. Er erschwert notwendige ökologische Investitionen (z.B. Nutzung der Sonnenenergie). Wenn der durchschnittliche Zinssatz für Kredite bei 8% liegt und die Produktion von Senfgas 10 % verspricht, die Investition in Sonnenenergie aber nur 4%, so fließt das Geld in die Senfgasproduktion. Der Zins sorgt dafür, dass die Schulden ständig wachsen und das Zurückzahlen immer schwieriger wird. Bis jetzt wurde dieses Problem mit dem Wirtschaftswachstum, der heiligen Kuh der westlichen Wirtschaft "gelöst". Unser Geldsystem kann aber nicht verhindern, dass in den westlichen Industriestaaten Mitte der 90er Jahre über 30 Millionen Menschen erwerbslos sind. Sinnvolle Arbeit und willige Arbeitskräfte gibt es genug, was jedoch fehlt, ist das Geld, um diese auch zu bezahlen.
Weil man dank des Zinses mit Geld mehr Geld verdienen kann, konzentriert sich unsere Wirtschaft einseitig auf das Geld und nicht auf Lebensqualität. So steigt, um ein Beispiel zu nennen, das Bruttosozialprodukt, wenn jemand krank wird, einen Autounfall verursacht oder einwandfreie Kleider wegwirft, um sich neue zu kaufen.
Vier verhängnisvolle Mißverständnisse mit Geld:
Mißverständnis 1: Es gibt nur eine Art von Wachstum
Wer bei seiner Geburt 50.000 Euro zu 5% angelegt bekommt, kann sich im Alter von 80 Jahren über ein Vermögen von 2.478.070 Euro freuen.
50 weitere Jahre später kann ein möglicher Nachkomme über die stolze Summe von 28.417.050 Euro verfügen. Nicht ganz so erfreulich wird die Situation für den Schuldner sein, "für" den die erfreuten Eltern bei der Geburt 50.000 Euro Schulden aufnahmen. Zins und Zinseszins lassen Geldvermögen und als Gegenstück Schulden unendlich wachsen.
Als Kontrast dazu steht das in der (gesunden) Natur vorkommende Wachstum, bei dem anfänglich rasches Wachstum allmählich in geringeres Wachstum übergeht, bis es schließlich zum Erliegen kommt. (vgl. Mensch, Baum). Unser Geldsystem fordert jedoch ein unendliches Wachstum in einer endlichen Welt.
Mißverständnis 2: Zinsen zahlen wir nur als Kreditnehmer
Ein Anleger, der € 100.000 investieren will, kauft eine 40 m² Wohnung. Als Alternative könnte er beispielsweise eine Bundesanleihe der Republik Österreich kaufen, die ihm zur Zeit ungefähr 4,5 % Ertrag pro Jahr abwirft. (bezogen auf € 100.000 ergibt das € 4.500 pro Jahr oder € 375 pro Monat, ohne KEST u.ä.)
Als Vermieter einer Wohnung fordert der besagte Anleger also mindestens € 375 pro Monat. Da er Risiko und Abnutzungskosten auch vergütet haben will, wird diese Monatsmiete mehr als € 375 ausmachen. Der Großteil dieser Miete besteht somit jedoch aus Zinskosten. Wenn das Zinsniveau auf 9% steigt, wird der Zinsanstieg den Mietpreis auf € 750 erhöhen. Wenn dieser Mietpreis nicht mehr erzielbar ist, werden diese Wohnungen nicht mehr gebaut. Akute Wohnungsnot in Zinshochphasen bestätigt diesen Sachverhalt. Jeder Unternehmer muß Zinsen, die er für aufgenommene Kredite bezahlt, als Kostenfaktor in die Preiskalkulation einfließen lassen. Zinsen sind für den Unternehmer Kosten wie z.B. Löhne. Somit zahlen wir in jedem Produkt, das wir kaufen, Zinsen mit. Je kapitalintensiver die Produktion, desto größer ist der Zinsanteil im Preis.
Mißverständnis 3: Das Geldsystem dient allen Menschen gleichermaßen
Wer sich Geld ausleiht bezahlt Zinsen; wer Geld spart, bekommt Zinsen. Das klingt in unseren Ohren doch sehr plausibel. Wer € 20.000 auf einem Sparbuch mit 5% angelegt hat, fühlt sich als Gewinner des Zinssystems. Die € 1.000 Zinsertrag (Kest unberücksichtigt), die dafür erzielt werden, sind jedoch nur ein Bruchteil dessen, was der stolze Sparbuchbesitzer in den Preisen und über höhere Steuern indirekt an Zinsen zahlt.
Nach Untersuchungen von Herrn Helmut Creutz (deutscher Wirtschaftsanalytiker) benachteiligt unser Zinssystem auch im reichen Deutschland 80% der Bevölkerung. An die 40% des Kaufpreises in einem repräsentativen Warenkorb sind Zinskosten. Somit kommt es zu einer permanenten Umverteilung von der Masse der arbeitenden Bevölkerung zu den Besitzern großer Geldvermögen.
Mißverständnis 4: Inflation ist unumgänglicher Bestandteil in jedem Geldsystem
Wenn ein Unternehmer € 1000 zu 10% Zinsen mit 1 Jahr Laufzeit aufnimmt, muss er nach einem Jahr insgesamt € 1100 zurückzahlen. Es sind aber ursprünglich nur € 1000 in Umlauf gebracht worden. Dieser Kreditnehmer muß in seinen Preisen € 100 Zinsen bereits einkalkulieren. Diese € 100 bilden eine inflationäre Lücke.
€ 1100 können nur erzielt werden, wenn Folgeschuldner in der Höhe der Zinsen auf die Altschulden neue Kredite aufnehmen. Unser Geldsystem "funktioniert" ähnlich wie ein Kettenbriefsystem. Wenn Private und Unternehmer sich aus Vorsicht nur geringfügig verschulden, springt der Staat als unendlicher Folgeschuldner ein, um unser System möglichst lange am Leben zu erhalten. Wehe, wenn die Kette reißt ...
Der Zins fordert ständiges Wachstum, da verschuldete Unternehmen und Haushalte versuchen müssen, durch Produktionssteigerungen und erhöhte Arbeitsleistung die Zinsen zu erwirtschaften.
Er führt zu großen Nettozahlungen der sogenannten Dritten Welt in den reichen Norden. Um diese Zinsen zahlen zu können, muss für den Export ohne Rücksicht auf Natur und Menschen produziert werden.
In Zinshochphasen steigt die Arbeitslosigkeit regelmäßig an. Ein verschuldetes Unternehmen muß selbstverständlich auch in einer Rezession Zinsen bezahlen, auch wenn die Gewinne sinken oder sogar Verluste entstehen. Wenn also Kosten gespart werden sollen, Zinskosten aber weiterhin bezahlt werden müssen, ist die "Freisetzung" von Arbeitskräften eine der Möglichkeiten, Kosten zu senken.
Zinsen behindern Umweltinvestitionen, da die Geldströme immer dorthin fließen, wo der größte Ertrag erwirtschaftet werden kann.
Selbst wenn unsere Wirtschaft nur mit 3% jährlich wächst, erfordert das ein exponentielles Wachstum, da die Basis für die 3% und damit auch der Zuwachs jährlich größer wird.
Ein Geldsystem, das exponentielles Wachstum voraussetzt, damit eine Wirtschaftskrise verhindert werden kann, ist mit Umweltschutz und Schöpfungsverantwortung unvereinbar. Unser Geldsystem steht somit in engem Zusammenhang mit:
- Umweltzerstörung
- Kriegen
- Ausbeutung der dritten Welt
- Zunehmender Leistungsdruck
- Gewalt
- Wohnungsnot
- Arbeitslosigkeit
- Wirtschaftskrisen
Ein Neuansatz mit einer Komplementärwährung ist das in Kanada entstandene LETS (Local Employment and Trading System). In Anlehnung an dieses System entstand 1993 das Schweizer Talente-System. In Kooperation mit den Schweizern startete die Innsbrucker Gruppe um Michael Graf im Februar 95 das Talente-Experiment Innsbruck. 1997 wurde der Talentetausch Kärnten gegründet.
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