von Mag. Ernst Sandrisser
Ich erinnere an die letzte Generalversammlung des Talente-Tauschkreises Kärnten im Jänner in St. Georgen, in dem auch über die Frage nach der Umsetzung der Talente-Idee heftig diskutiert wurde. „Weniger reden, mehr tun“, sagten die einen. „Mehr Information und Austausch“, forderten die anderen.
Letztlich ging es um die Frage, wie authentisch die Tauschkreismitglieder sind und wie authentisch der Vorstand, der Ort der Generalversammlung (das Bildungshaus St. Georgen) u.a. sind.
Die Diskussion zeigte eines deutlich: Je mehr und je länger sich Menschen mit großen und wertvollen Ideen beschäftigen, desto drängender wird die Frage nach der inneren Übereinstimmung zwischen dem, worüber gesprochen wird und dem, was tatsächlich im tagtäglichen Leben umgesetzt wird und gelebt werden kann.
Trotz aller guten Ansätze und Bemühungen handelt streng genommen fast niemand von uns wirklich nachhaltig. Denn das würde bedeuten, alle Entscheidungen und Handlungen daraufhin zu überprüfen, ob sie auch noch in der 4. Generation (Ururenkel) oder länger keine bleibenden Schäden verursachen.
Derzeit verbrauchen wir noch viel mehr als uns zusteht. Das heißt, wir leben auf Kosten unserer Kinder. Sie werden die Schäden bezahlen oder unter ihnen leiden, die wir heute mitverursachen. Nachhaltiges Wirtschaften würde bedeuten, aus dem Teufelskreis dieser „Erb-Schuld“ auszusteigen und einen neuen Generationenvertrag zu schließen. Ich kann mit guten Gewissen nur dann von meinen Kinder verlangen, dass sie einmal für mich sorgen werden (Pensionen, etc.), wenn ich mir im Gegenzug um ihre künftige Lebenswelt Sorgen mache und sie nicht nachhaltig zerstöre.
Nachhaltig wird aber auch unser zwischenmenschlicher Umgang werden müssen. Um nicht eine Ansammlung von nachhaltigen Individualisten zu werden, die im Rennen um die Zukunft die Ersten sein wollen und deshalb bloß auf ihr eigenes Tempo achten, bedarf es der Geduld, der gegenseitigen Ermutigung und der Ausdauer.
Für den Talentetauschkreis Kärnten könnte dies bedeuten, dass wir einerseits unsere eigenen Stärken weiterentwickeln und anderseits gleichzeitig die zarten Pflänzchen, die anderswo wachsen, schätzen und unterstützen lernen.
Solche Pflänzchen sind etwa die Gemeinden Albeck, Arnoldstein, Bleiburg, Dellach im Gailtal, Deutsch-Griffen, Eberstein, Gmünd, Gnesau, Großkirchheim, Gurk, Heiligenblut, Feldkirchen, Feld am See, Frantschach - St. Gertraud, Eisenkappel-Vellach, Fresach, Kappel am Krappfeld, Keutschach, Klein St. Paul, Krumpendorf, Moosburg, Neuhaus, Schiefling am See, St. Georgen im Lavanttal, Trebesing, Oberdrauburg, Obervellach, Velden, Zell. Sie alle haben erklärt einen Nachhaltigkeitsprozess mitzumachen (Lokale Agenda 21). Es ist bei weitem noch nicht alles nachhaltig, was dort gedacht und gemacht wird. Sollten Sie in einem dieser Orte wohnen, dann fragen sie nach und engagieren sie sich in einem Arbeitskreis.
Es können aber auch noch andere Gemeinden einsteigen.
Und genau darum geht es:
Nicht aussteigen, sondern einsteigen; nicht austreten, sondern auftreten...
www.lokaleagenda21.at
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