Talentetausch Kärnten
Der Chiemgauer Bericht von Lisa Walcher

Zusammenfassung des Protokolls des Bundestreffens der deutschen Tauschringe in Bad Aibling (Workshop: Regio ergänzt Euro mit Dr. Margrit Kennedy und Waldorfleher und Projektgründer Christian Gelleri)

Vor knapp einem Jahr entstand in Prien am Chiemsee ein sehr eindrucksvolles regionales Gutscheinsystem, das über den Rahmen eines normalen Tauschringes hinaus reicht. Das SchülerInnenunternehmen Chiemgauer regional wurde von einem halben Dutzend Waldorfschülern aus der Taufe gehoben. Ziel ist die Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe und die Förderung gemeinnütziger Projekte in der Region Chiemgau. Chiemgauer werden im Wert von 1 Euro = 1 Chiemgauer ausgegeben bzw. abonniert. Die Benutzung von Chiemgauern setzt die beitrags- und kostenfreie Mitgliedschaft im Verein Chiemgauer regional voraus. Bis zum Ende jedes Quartals haben aktive KundInnnen die vielfältigsten Möglichkeiten, den Gutschein auszugeben. Danach beträgt die Wertminderung quartalsmäßig 2% (Umlaufsicherung).

Autorin und Mitbegleiterin Dr. Margrit Kennedy beschreibt drei Wege, wie ein Projekt dieser Art entstehen konnte:
  • von unten: das Bedürfnis nach dem Gutscheinsystem entsteht aus einer bestehenden Menschengruppe. In Prien handelte es sich um die hiesige Waldorfschule mit LehrerInnen, SchülerInnen und Eltern
  • von oben: es entsteht das Bedürfnis nach einer großen Menge Startkapital und nach professioneller Hilfe (beispielsweise in Form einer wohlwollenden Bank)
  • Tauschringe schließen sich zu diesem Projekt zusammen
Der Anreiz für die Entstehung eines Regio-Projektes in Prien am Chiemsee war die von allen Seiten gewünschte und notwendige Unterstützung des Projektes Waldorfschule. Wie so oft brannten anfangs viele (theoretische) Fragen unter den Nägeln. Scheinbar standen die Menschen vor Aktionen und Konsequenzen, die man nicht klar einschätzen konnte. Als Beispiel sei eines angeführt: „Wie groß ist das Risiko, einen Teil des Gutscheinwertes durch die Umlaufsicherung zu verlieren?“ In der einjährigen Praxis stellte sich heraus, dass dies winzige Beträge im Cent-Bereich sind, die keinem weh taten – und noch dazu für soziale Zwecke zur Verfügung standen. „Wenn ein paar Mutige anfangen, die Macht des Faktischen zu nutzen, sehen andere, dass es funktionniert und machen gerne mit“ hat Waldorflehrer und Projektgründer Christian Gelleri erfreut gelernt. Gerade für kleinere und mittlere Gewerbebetriebe sind 5% Verlust beim Rücktausch des Chiemgauers in Euro ein geringer Betrag im Vergleich zu ihren normalerweise anfallenden Werbekosten. Wichtig ist seiner Meinung nach die professionelle Umsetzung der Idee. Fälschungssichere Gutscheine (Wertmarke, Prägelogo, Originalunterschrift, UV-Sicherung) mit Perspektiven für beispielsweise zukünftige Spar- und Kreditmöglichkeiten waren ein Argument, dass auch Menschen überzeugte, die der Idee skeptisch gegenüberstanden.

Ein sogenanntes Regio-Netzwerk-Training ist im Entstehen. Jeder interessierte Tauschring soll die Möglichkeit erhalten, Menschen zur Schulung bezüglich Wissen, Informationsweitergabe oder Werbung hinzusenden. Information und Downloads gibt’s auf der gut gewarteten Homepages www.chiemgau-regional.de, www.margritkennedy.de oder www.monneta.org. In mehreren Ausgaben der HUMANWIRTSCHAFT, die im Talenteladen zum Ausleihen aufliegt, wurde dieses Projekt ebenfalls von allen Seiten beleuchtet. Ein neues Buch von Margrit Kennedy und Bernhard Lietaer erscheint 2004 im Riemann Verlag.

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