In Kriegszeiten wie diesen erhebt sich einmal mehr die Frage, ob Mineralöl wirklich die einzige Möglichkeit ist, Automotoren am Laufen zu halten. Ganz abgesehen davon, dass die Schadstoffbelastung unserer Umwelt durch Autoabgase immer größer wird. Spannend ist, dass sich Pflanzenöl als echte Alternative anbietet.Auf eine gute Fährte brachte mich Eva Liegl vom Klagenfurter Tauschkreis. Sie erzählte von den Vereinigten Werkstätten für Pflanzenöltechnologie (VWP) in Bayern. Das sind Forschungs- und Entwicklungsbetriebe, die sich mit dem Einsatz von pflanzlichen Ölen in Landwirtschaft und Technik befassen. Ihr Entwicklungsspektrum reicht von Anbau und Herstellung pflanzlicher Öle bis zur Umrüstung auf Serien-PKWs, Kleintransporter und Traktoren, Blockheizkraftwerken und Stromerzeugern.
Ich musste nicht lange suchen, um auch talentierte Tauschkreis-Nutzer dieser Idee zu finden. Albert Hlavka half Stephan Michel dabei, ein entsprechend umgebautes Dieselauto Marke Seat Toledo mit robustem VW-Motor 1,9 Turbodiesel Baujahr 1992 zu erstehen. "Wir wollten ein gebrauchtes Fahrzeug, das uns und unser Material mittels Pflanzenöl transportiert", erzählt Stephan. "Flora", wie das Fahrzeug mittlerweile genannt wird, bewies auch bei klirrend kalten Morgentemperaturen dieses Winters, dass sich ihre Besitzer starttechnisch auf sie verlassen können. "Durch Zusatz von 5 bis 20% Diesel als Experimentierwert wird das Öl ein wenig flüssiger" verrät der Tüftler einen Werkstatt-Tipp.
Nachfolgend einige Gründe, sich das Fahren mit Pflanzenöl durch den Kopf gehen zu lassen:
- es verbrennt kohlenstoffdioxidneutral: Kohlenstoffdioxid wird immer wieder in gleicher Menge gebunden u. freigesetzt (1kg Mineralöl verbrennt zu 3,6 kg CO2),
- Pflanzenöl verbrennt bei gleichmäßigerer Druckabgabe in kürzerer Zeit als fossile Brennstoffe,
- bei Verbrennung keine Verunreinigung durch Schwefel und Schwermetalle,
- es ist Mineralöl gewinnungs- und herstellungstechnisch weit überlegen, der Herstellungs-Energie-Bedarf ist niedriger als bei Diesel und Benzin (mechanisches Auspressen ohne chemische Zwischenschritte),
- einfache Lagertechnik,
- Toxizität, Wassergefährdung und Feuergefährlichkeit ist gleich Null,
- das Problem hoher Viskosität, die temperaturabhängig schwankt, ist inzwischen beherrschbar,
- das Nebenprodukt "Ölkuchen" ist ein hochwertiger Eiweiß- und Energieträger, der in der menschlichen und tierischen Ernährung eingesetzt wird,
- mit 50 bis 70 Cent pro Liter ist dieser Kraftstoff günstiger als der mineralische.
Aktueller Stand der Dinge ist, dass Stephan Michel in der Nähe von Feldbach in der Steiermark eine Tankstelle entdeckt hat, die Pflanzenöl importiert. Von der bayrischen Variante mit öffentlichen Tankstellen ist Österreich noch weit entfernt. Mit steigender Nachfrage durch Konsumenten würde hier aber sicher einiges in Schwung kommen.
"Momentan gibt es viel Bewegung auf diesem Sektor" freut sich Stephan. Er weiß von Menschen, die mit normalen Dieselmotoren ohne Umrüsten fahren und zufrieden sind. Andere wieder entwickelten ein Baukastensystem, das die Umrüstungskosten von 3000 - 5000 Euro (VWP) aufteilt. Er empfiehlt, sich unter www.pflanzenoel-motor.de oder www.greten-technik.de in die Sache zu vertiefen und sich eine eigene Meinung zu bilden und steht auch persönlich für Fragen zur Verfügung.
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