Persönlicher Rückblick auf 5 Jahre talentetausch kärnten.
Beinahe 5 Jahre bin ich nun (glaube ich) doch recht aktiv bei unserem TalenteTauschkreis dabei. Vorher hatte ich lange überlegt, hier mitzumachen, und bin dann doch voller Begeisterung beigetreten. Die angekündigte Vision: den Menschen, die Arbeit - unser ganzes Tun - wertfrei und doch gleichwertig zu sehen und "anders zu sein" als das herkömmliche Wirtschafts-system, waren stark ausschlaggebend für meine Beitrittsentscheidung.Zur Zeit geht es uns noch zu gut. Im sozialen Netz sind die meisten gut und oft sogar doppelt abgesichert. Im großen Angebot der überquellenden Regale können wir es uns leisten, jederzeit nur das Beste vom Besten auszuwählen. Wir sind auch grenzenlos mobil und irren hin und her zwischen Supermarkt- und 1-Welt-Laden-Preisen.
Es berührt uns nicht mehr, wenn Dinge um die ganze Welt transportiert werden, wenn letztendlich dann doch der Preis passt. Sehr oft kriegen wir nicht mit, welchen Umweltschaden unser schönes Leben wirklich anrichtet. Da ein Großteil von uns auch selbst fast nichts oder nur mehr wenig herstellt und vieles von anderen machen lässt, sind gewisse Sinne schon verkümmert und verloren gegangen - für das Wesentliche, für Qualität in jeder Form, ebenso wie die Fähigkeit, Leistung, Arbeit und besondere Dinge noch wirklich zu schätzen.
Wir haben auch verlernt - oder noch nicht gelernt - Waren aus nächster Umgebung, z. B. aus unserem TalenteTauschkreis, als etwas Besonderes und Einmaliges zu sehen und zu bewerten, und sind noch nicht bereit, wirklich gerechte Preise (Futuro ?) zu bezahlen.
Immer wieder sehe und treffe ich auch hier im Tauschkreis auf einige dieser Schmarotzer, die mit voller Geldtasche den 0,999 Euro-Preisen hinterherlaufen, nur konsumieren und ihren "billigen Luxus" haben wollen, und Tauschen als angenehme alternative Freizeitgestaltung sehen. Es mangelt vielerorts auch an Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit und Zuverlässigkeit.
In meinem Leben ist mir nicht viel geschenkt worden - ist vielleicht auch gut so. Vieles habe ich mir hart erarbeiten müssen. Deshalb glaube ich, ein beson-deres Gefühl für wahre Werte zu haben. Die Praxis zeigt immer wieder, dass unsere Talente auch nichts wert sind (oder weniger wert sein sollen als diese harten, gewohnten Währungen!).
Beim TalenteTauschen erlebte ich ganz selten, dass meine Arbeit und Leistungen mit einem zusätzlichen Trinkgeld abgegol-ten wurden. Meistens hatte ich das Gefühl, mit 100 T/Std. noch zu teuer zu sein. Auch hab ich es schon satt, immer wieder gescheite Geschichten übers Tauschen zu hören oder zu lesen - oft von Leuten, die es selbst nicht schaffen (nicht wollen oder müssen) aus eigener Kraft und Arbeitsleistung zu überleben.
Schon längst könnte unser TalenteTauschkreis ein kleiner, feiner Haufen sein - ,,eine Insel des Besonderen". Es liegt aber nur an uns - wir könnten jederzeit damit anfangen! Treten wir uns endlich frei und erwachsen gegenüber, lösen wir uns los von dieser verdorbenen materia-listischen Welt!
Schaffen wir uns unsere eigene Welt und konzentrieren wir uns endlich auf die wesentlichen Dinge des Lebens - nach dem Motto: "Weniger ist mehr - aber dafür nur bestmöglichste Qualität aus nächster Nähe." Fangen wir doch endlich alle an, mit unseren Taten für eine umwelt- und menschengerechte Wirtschaft hier in unserer Gegend zu sorgen!
Trotzdem gibt es in dieser bunten Menge schon (noch) Lichtblicke und Ausnahmen: besondere Menschen des Tauschkreises - mit denen einiges schon auf anderen Ebenen abläuft, wo das Gewissen und Gedächtnis dann sehr oft die wertvolle Basis unserer Begegnungen ist.
Sind wir (einige) zu früh dran oder zu schnell unterwegs. Oder? Oder kann das auch Motiv für Austritt und Eintritt in andere, bessere Kreise sein?
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