Heute traf ich am Markt zufällig eine langjährige Tauscherin. Im Gespräch erwähnte sie sehr eindringlich, warum der Verein seine Tauschstunde/100 Talente nicht endlich an den Marktwert anpasst, d.h. 1 Stunde = € 10,00, da täte man sich dann mit dem Umrechnen leichter. Außerdem gehe es doch um den marktüblichen Wert unserer Arbeitsstunde, das habe etwas mit Wertschätzung zu tun.
Meine Versuche unseren idealistischen Ansatz zu erklären, wurden nicht so recht aufgenommen und nachdem wir dann von einem Herrn unterbrochen wurden, verabschiedete ich mich – eigentlich recht frustriert, ob dieses nicht zu Ende diskutierten Themas.
Natürlich ging mir dieses Gespräch nicht aus dem Kopf. Ihr Argument, dass die Tauschgeschäfte für sie schon ein Bestandteil ihrer Wertschöpfung seien und daher wichtig , ist mir schon klar. Viele von uns können sich durchs Tauschen einiges mehr leisten (vor allem Zeit), was im Gegenzug mit Euro oft nicht möglich wäre.
Allerdings denke ich, wenn wir alle nach dem Motto: 1 Stunde = 1 Stunde tauschen, ist der marktübliche Wert einer Arbeitsstunde unbedeutend, weil unsere gegenseitige, gleiche Wertschätzung unserer eingebrachten Lebenszeit der Maßstab ist. Wenn wir natürlich damit beginnen den Wert einer Arbeitsstunde den in der Wirtschaft üblichen Preisen anzupassen, bzw. Dienstleistungen nicht gleichwertig zu sehen (z.B. intellektuelle und manuelle Arbeit) ist das ganze nicht mehr stimmig. Denn dann kann ich mir z.B. für 2 Stunden, die ich für 1 Stunde Dienstleistung verlangt habe, bei jemandem, der sich an unsere idealistische Regelung (1=1) hält, die doppelte Leistung ertauschen und das ist doch ungerecht, oder?
Ich möchte wieder an die Anfänge unseres seit 10 Jahren bestehenden Vereins erinnern, an den Traum des alternativen Wirtschaftens, um dem bestehenden System, dass sozial ständig Verschlechterungen für uns bringt, die Stirn zu bieten. In unserem Verein gibt es keine Reichen, die reicher werden und Arme die ärmer werden, weil sie den Reichen Zinsen zahlen müssen. Bei uns ist die Wertschätzung jedes Menschen und seiner Arbeitskraft gleich.
Vorausgesetzt der Arbeitende hat die jeweiligen Fertigkeiten, so kann mir niemand sagen, dass z.B. eine Stunde Bäume schneiden weniger Arbeit ist, als 1 Stunde Nachhilfe geben. Vielleicht können wir alle einmal darüber nachdenken, wie wir bei unseren (Tausch)-Geschäften zu einer besseren und faireren „Schwingung“ kommen können.
Christa Zwitter
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